Kalte Füsse
Samstag, 26. April 2008Es ist jetzt Samstag, der 26.04.2008. Die Uhr auf meinem Computer zeigt ein Null geteilt durch Einundfünfzig an und ich friere an den Füssen.
Gerade komme ich aus dem Kino. “Untraceable” lief. Im Kino 5. Im Keller. Vermutlich daher meine kalten Füsse. Zugegeben es ging um Computer, das war der Grund warum ich mit die Spätvorstellung “reingezogen” habe. Auf der Fahrt nach Hause sind mir tausende von Gedanken durch den Kopf geschossen. Nicht alle blieben hängen. (Wann erfindet mal jemand ein Gerät, das diese Gedanken auffängt und auf einem Chip speichert? Oder halt! Erfindet es lieber nicht, es gibt schon genug Menschen mit kranken Fantasien auf dieser Welt. Genau wie im Film.) Da geht es um einen ca. 20jährigen der sich sehr gut mit Mechanik, Elektronik und Computern auskennt. Klarer Fall: Ein Nerd. Er hat mehrere Computer im Keller, einige Kameras und ein ungewöhnliches Hobby: er bringt Menschen um und zeigt das auf seiner Website: KillWithMe.com Je mehr Menschen auf diese Seite klicken um so eher stirbt das Opfer, das natürlich von allen Kameras gefilmt und auf der Website live präsentiert wird.
Mal abgesehen von der masochistischen Story, denke ich während der 12 Minuten Heimfahrt darüber nach. Könnte auf dieser Welt wirklich jemand soetwas tun? Würden die Menschen wirklich so Gaffgeil sein und auf diese Seite klicken auch wenn sie damit einen Menschen töten würden und damit Mittäter wären? Ich kann das nicht allgemeingültig beantworten ich bin kein Experte. Aber meine eigene Meinung dazu ist ein klares Ja, so schlimm das jetzt auch klingen mag.
Mich würde an dieser Stelle einmal interessieren, wieviele Menschen jetzt schon versucht haben KillWithMe.com aufzurufen? Oder danach zu googlen? Was wenn da wirklich ein Mensch sterben würde, würden Sie es riskieren die Seite zu besuchen?
Mal etwas Realitätsnäher betrachtet:
Sie fahren auf der Autobahn und geraten in einen Stau. Sicher ist die Ursache des Staus eine Baustelle. Oder doch ein Unfall? “Vielleicht mit Verletzten?” werden Sie denken. Stop and Go. Und nach 30 Minuten sind Sie am Ende des Staus angelangt und müssen feststellen, daß der Unfall auf der anderen Fahrspur passiert ist. Sie können mit einem kurzen Blick erkennen das die Feuerwehr bereits vor Ort ist und alles im Griff hat. Natürlich versuchen Sie jetzt nicht weiter auf der linken Spur im Schritttempo zu fahren und zu gaffen, um zu erkennen ob vielleicht doch ein zugedeckter Körper auf dem kalten Asphalt liegt. Nein, Sie fahren zügig weiter damit Sie den nachfolgenden Vehrkehr nicht behindern.
Wenn jetzt alle so denken und handeln würden wie Sie, wäre dieser Stau nie entstanden. Richtig? Warum gibt es ihn dann trotzdem?
Nun wir wollen uns an dieser Stelle aber nicht über Stau unterhalten. Meine Darlegung soll nur untermauern, daß der Mensch ein sehr neugieriges Tier ist. Und natürlich drückt er auf den Knopf auf dem steht “Auf keinen Fall diesen Knopf drücken!”.
(Zwischendrin angemerkt: Ich möchte nicht, daß jetzt jemand meint jeder der einen Computer bedienen, eine Internetseite programmieren und eine Kamera bedienen kann, hat eine Leiche im Keller. Bitte nicht falsch verstehen. Die Figur im Film ist extrem verwirrt und gestört. Nerds mögen der Außenwelt etwas anders vorkommen, aber bestimmt sind sie keine schlechten Menschen nur weil sie sich für Technik interessieren.)
Aber ich schweife ab. Zurück zum Film:
Fazit des Ganzen sollte natürlich sein, daß wir Menschen heutzutage jede Information bekommen können sie wir wollen. Alles prasselt ungefiltert auf uns ein und wir müssen es in wichtig und unwichtig einordnen. Neugierde treibt uns dazu jeden Tag die Zeitung zu lesen. Neugierde macht uns zu Sklaven der Information. Wir müssen wieder lernen langsamer zu leben und für eine gewisse Zeit auf Informationen zu verzichten. Wir sollten die Informationen kontrollieren, nicht die Informationen uns.
Denken Sie einmal darüber nach.
Und ich werde mir jetzt meine Füße wärmen, die sind immernoch eisekalt…

öwe: